
Am 4. Dezember hat das Bistum Fulda erstmals den Nachhaltigkeitspreis verliehen. Insgesamt 21 Projekte aus Gemeinden, Einrichtungen und Schulen wurden ausgezeichnet - mit einem Preisgeld von insgesamt 15.000 Euro.
Alle prämierten Initiativen zeigen auf beeindruckende Weise, wie vielfältig und kreativ Schöpfungsverantwortung gelebt wird.
Die NABU-Ortsgruppe Neuhof engagiert sich seit Jahren in mehreren zentralen Naturschutzbereichen. Dazu gehört die Errichtung einer Brutplattform für Weißstörche, an der auch Kinder aus örtlichen Kindertagesstätten beteiligt waren. Zusätzlich legte die Gruppe Amphibientümpel neu an und unterstützte damit die Wiederansiedlung des vom Aussterben bedrohten Laubfroschs in Osthessen. Durch den Ankauf von Ufergrundstücken konnten außerdem Konflikte zwischen landwirtschaftlicher Nutzung und Biberschutz entschärft werden.
Die Schule betreibt ein umfassendes Umwelt- und Nachhaltigkeitsmanagement, das weit über Einzelmaßnahmen hinausgeht. Dazu gehören u. a. ein Schulgarten, Wildblumenflächen, Photovoltaikanlagen und vielfältige Bildungsprojekte zu Klima- und Umweltfragen. Die Schule befindet sich auf dem Weg zur Auszeichnung als „Fair Trade School“ und fördert aktiv globale Gerechtigkeit. Das Engagement ist stark in der gesamten Schulgemeinschaft verankert – von der Schulleitung bis zu Schülern, Eltern und Kooperationspartnern.
Der Verein setzt sich für verpackungsarmes Einkaufen, Müllvermeidung und Ressourcenschonung ein. „Emmas Unverpackt“ bietet nicht nur ein alternatives Einkaufsmodell, sondern zeigt Wege auf, Lebensmittelverschwendung zu reduzieren und bewussten Konsum zu fördern. Das Projekt lebt stark vom lokalen Engagement und wurde durch den Zusammenschluss zum Verein trotz wirtschaftlich schwieriger Rahmenbedingungen gesichert.
Die Schule hat ökologische Bildung in ihr pädagogisches Konzept integriert. Im Schulgarten wurde das Fach „Kreatives Gestalten – Schritt für Schritt nachhaltig lernen“ entwickelt, das Upcycling, Konsumreflexion, Müllvermeidung und Artenkenntnis in den Mittelpunkt stellt. Fächerübergreifende Projekte erweitern den Blick der Schülerinnen auf Themen wie Biodiversität und Klimaschutz. Der Ansatz verbindet praktische Naturerfahrungen mit theoretischem Lernen.
Die Roverstufe organisierte einen Moorschutz-Aktionstag zur Renaturierung einer 1,2 Hektar großen Hochmoorfläche in Gifhorn. Unterstützt von lokalen und überregionalen Umweltgruppen wurden Gehölze entfernt, um den ursprünglichen Moorcharakter wiederherzustellen. Ziel des Projekts war es, den ökologischen Fußabdruck einer geplanten Auslandsfahrt bewusst auszugleichen. Die Aktion verbindet Klimaschutzwissen mit aktivem Engagement und Kooperation verschiedener Gruppen.
Die Pfarrei spart jährlich große Mengen Plastik ein, indem etwa 150 Opferlichthülsen pro Woche gereinigt und wiederverwendet werden. Zusätzlich werden Wachsreste gesammelt, eingeschmolzen und zu neuen Kerzen verarbeitet. Die Initiative zeigt, wie umweltbewusstes Handeln im Kirchenalltag fest verankert werden kann.
Der Kirchort setzt sich für die ökologische Aufwertung des Friedhofs ein. Dazu zählen insektenfreundliche Bepflanzungen, die Anlage von Blühflächen und die Erweiterung des Angebots an Baumbestattungen. Die Maßnahmen fördern Artenvielfalt und schaffen naturnahe Orte des Gedenkens.
Seit mehr als 20 Jahren pflegt die Nachbarschaftsgemeinschaft eine partnerschaftlich angelegte Streuobstwiese. Bei Pflegearbeiten, Ernte und gemeinsamen Festen kommen Nachbarn und Interessierte zusammen. Biotoppflege und nachhaltige Obstgewinnung sind ein Beitrag zum Klima- und Umweltschutz, der auch als gemeinschafts-stiftender Begegnungsraum vorbildlich ist.
Mit dem Projekt „Nacht und Dunkelheit“ thematisierte die Kirchengemeinde gemeinsam mit dem NABU Lichtverschmutzung und ihre Auswirkungen auf Umwelt und Menschen. Die Aktion umfasste Gottesdienst, Ausstellung, Kinderangebote und wissenschaftliche Impulse. Damit rückt die Bedeutung dieser massiven Umweltveränderung stärker in das städtische Bewusstsein und regt zu konkreten Maßnahmen zum Schutz der Nacht an.
Der ökumenisch getragene Schöpfungstag ist seit acht Jahren fester Bestandteil des Gemeindelebens. Die Veranstaltung bringt katholische, evangelische und freikirchliche Gemeinden sowie Umwelt- und Weltladeninitiativen zusammen. Mit feierlichen Gottesdiensten, nachhaltigen Verpflegungsangeboten, Infoständen und einer pädagogisch aufbereiteten Rallye werden dabei im Schlosspark vielfältige Zielgruppen von jung bis alt als Teilnehmende und potenzielle Multiplikatoren erreicht.
Die Frauengemeinschaft legt im Pfarrgarten jährlich eine Blühwiese an und verbindet Naturpflege mit spirituellen Angeboten. Wortgottesdienste im Freien und thematische Aktionen wie „Blütenbrote“ schaffen eine naturnahe, gemeinschaftliche Atmosphäre. Eine gelungene Kombination aus aktivem Naturschutz mit dem Lob auf den Schöpfer und geselligem Beisammensein.
Der Förderverein engagiert sich für den Erhalt naturschutzrelevanter Flächen, schafft Lebensräume und organisiert regelmäßige Pflegeeinsätze. Aus einer kleinen Initiative ist eine über 50-köpfige Helferschar geworden. Das Projekt hat das Bewusstsein für Artenschutz in der Region deutlich gestärkt.
Die Einrichtung verfolgt einen umfassenden Ansatz zur ökologischen Bildung. Dazu zählen Naturschutztage, Obstbaumpflanzungen, Energieprojekte und die Erweiterung der Photovoltaikanlage. Die Maßnahmen werden pädagogisch begleitet und stärken Kinder und Jugendliche darin, Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft zu übernehmen.
Der Verbund fördert nachhaltige und gesunde Ernährung in Gemeinschaftsverpflegung für Kitas, Schulen und Senioreneinrichtungen. Produziert wird bewusst kostendeckend, um Qualität und Regionalität statt Gewinnorientierung zu priorisieren. Das Projekt verbindet ökologische Standards mit sozialer Verantwortung.
Der Verein ermöglicht fossilfreien Segelflugbetrieb durch die Anschaffung einer Elektrowinde und die Nutzung eigener Photovoltaikanlagen. Die Maßnahme reduziert Emissionen, senkt Lärmbelastung und zeigt, dass auch Sportvereine wirkungsvolle Beiträge zum Klimaschutz leisten können.
Das Projekt bindet rund 30 ehrenamtliche Seniorinnen und Senioren in Naturschutz, Landschaftspflege und Umweltbildung ein. Die Gruppe unterstützt Pflegeeinsätze, führt Besucherangebote durch und trägt zur Erhaltung der Rhöner Kulturlandschaft bei. Ein innovatives Projekt mit Vorbildcharakter für Deutschlands Nationale Naturlandschaften.
Der Waldkindergarten bietet Kindern seit über 20 Jahren naturnahe Bildungserfahrungen. Die Initiative vermittelt praktische Umweltbildung saisonal, kreativ und spielerisch. Die Verbindung von Naturerlebnis und pädagogischem Konzept hat Vorbildcharakter.
Der Weltladen fördert Bewusstsein für fairen Handel, globale Gerechtigkeit und ökologische Lieferketten. Sichtbar wurde dies durch ein faires Frühstück, zu dem alle örtlichen Pfarrer in ökumenischer Verbundenheit eingeladen wurden. Besonders umweltfreundlich kam fair gehandelter Kaffee per Segelschiff aus Nicaragua nach Hamburg und von dort ehrenamtlich per Fahrrad in Ihren Weltladen in Hailer.
Der Kirchort entschied sich bei der Gestaltung des Kinderspielplatzes des integrativen Kindergartens bewusst für natürliche Lösungen. Bäume ersetzen technische Beschattungsanlagen, und Sträucher sorgen für Sichtschutz auf nachhaltige Weise. Die Maßnahmen verbinden Umweltschutz, Kostensenkung und eine naturnahe Gestaltung.
Eine 60 Jahre alte Ölheizung der Kirche wurde durch innovative Infrarot-Heizelemente ersetzt, die vollständig mit erneuerbarer Energie betrieben werden. Die Lösung demonstriert, wie auch kleine Kirchengemeinden durch moderne Technik ihren CO₂-Ausstoß erheblich reduzieren können.
Da sich aufgrund geringen Stromverbrauches eine große PV-Anlage kaum amortisiert, wurde in Wabern in Eigenregie ein Balkonkraftwerk inklusive Batterie installiert und in Betrieb genommen, was für Kirchengebäude mit kleinem Pfarrheim eine lohnende Innovation mit Pilotcharakter darstellt.
Der Nachhaltigkeitspreis fördert Projekte, die Nachhaltigkeit sichtbar, erlebbar und wirksam machen. Ausgezeichnet werden Initiativen, die neue Wege im Klima-, Umwelt- und Artenschutz gehen und zeigen, wie verantwortungsvolle Zukunftsgestaltung vor Ort gelingen kann.
Außerdem soll der Preis zeigen, wie vielfältig und alltagsnah Nachhaltigkeit gelebt werden kann. Viele der ausgezeichneten Ideen lassen sich teils mit wenig Aufwand in der eigenen Kirchengemeinde, im Vereinen oder auch privat umsetzen. Sie bieten damit eine wertvolle Anregung für eigene Projekte.